AvD feiert 120 jähriges Bestehen

AvD/SHAC

AvD Hilfsdienst in den 70er Jahren

Deutschlands traditionsreichster Automobilclub feiert runden Geburtstag!
Vielschichtiges Engagement und kaiserliche Weihen
Trotz bewegter Geschichte bis heute lebendig und aktiv


Vor 120 Jahren, am 31. Juli 1899, greifen fortschrittliche Kreise rund um Victor Herzog von Ratibor die rasant wachsende automobile Begeisterung in Deutschland auf und gründen in Berlin mit dem Deutschen Automobil-Club eine Vereinigung von Automobilisten, die nicht vornehmlich auf industrielle Interessen ausgerichtet ist. Der als Deutscher Automobil-Club (DAC) gegründete Verein gibt sich knapp 20 Jahre später den noch heute gültigen Namen Automobilclub von Deutschland (AvD).

Rückblende: Wie kaum eine andere technische Innovation hatte die Erfindung des Automobils die Mobilität und die Freiheit der Menschen revolutioniert. In den Jahren nachdem Gottlieb Daimler und Carl Benz 1886 unabhängig voneinander Fahrzeuge mit schnelllaufenden Verbrennungsmotoren zum Patent angemeldet und Berta Benz 1888 die erste Überlandfahrt von Mannheim nach Pforzheim unternommen hatte, erlebt das Auto weltweit einen bis dahin beispiellosen Siegeszug. Zu den führenden Nationen zählt Frankreich, das nicht nur über eine prosperierende Automobilwirtschaft verfügt, sondern das auch mit viel beachteten Rennveranstaltungen die Bevölkerung für das Auto begeistert.

Mit Begeisterung und Tatendrang ins neue Jahrhundert

Der neu gegründete Deutsche Automobil-Club (DAC) erkennt den Handlungsbedarf in der Heimat und schreibt die „Pflege des Automobilsports“ als Vereinszweck in seiner Satzung fest. Bereits im Jahr 1900 veranstaltet er das erste Bahnrennen nahe Frankfurt am Main. 1904 beteiligt sich der DAC nicht nur an der Ausrichtung der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA), sondern fungiert auch als Veranstalter, des erstmals auf deutschem Boden ausgetragenen Gordon-Bennet-Rennens – Austragungsort ist Bad Homburg vor der Höhe – das als „Nationenpreis“ über hunderttausend Zuschauer aus dem In- und Ausland sowie die gesamte internationalen Presse begeistert. Im Anschluss an das Rennen kommen auf Initiative des DAC am 20. Juni die Vertreter der anwesenden internationalen Automobil-Clubs zusammen. Auf Anregung des DAC Präsidenten Herzog von Ratibor, der die Zusammenkunft als Vorsitzender leitet, wird die Gründung der Association Internationale des Automobile Clubs Reconnus (AIACR) beschlossen, die als weltumfassende Organisation die Förderung des Automobilsports und des neuen Verkehrsmittels Auto zum Ziel hat. Aus der AIACR wird im Jahr 1946 der Automobilweltverband FIA (Fédération Internationale de l’Automobile) hervorgehen.

Kaiserliche Weihen

Vom vielschichtigen Engagement zeigt sich nun auch der zunächst skeptische Kaiser Wilhelm II. angetan und übernimmt 1904 die ihm angetragene Schirmherrschaft über den DAC. Der darf sich fortan Kaiserlicher Automobil-Club (K.A.C.) nennen und bezieht als adäquates Clubhaus, das am 27. Mai 1905 eingeweihte Palais Bleichröder im Herzen Berlins. An seiner Stelle am Leipziger Platz findet sich heute das moderne AvD-Palais.

Der eigentliche „Petrolhead“ in der Kaiserfamilie ist allerdings Wilhelms jüngerer Bruder Heinrich, der auch als Erfinder des Scheibenwischers Auto-Geschichte schreibt. Zu seinen Ehren richtet der K.A.C. von 1907 bis 1911 das erste mehrtägige Langstrecken-Rennen unter der Bezeichnung „Prinz-Heinrich-Fahrt“ aus, bei dem die teilnehmenden Tourenwagen in mehreren Etappen eine Gesamtstrecke von rund 2000 Kilometern quer durch das Reichsgebiet zurückzulegen haben.

Kfz-Versicherung – eine Erfindung des K.A.C.

Als 1918 bereits das Ende des 1. Weltkriegs erkennbar ist, denkt man beim K.A.C. bereits an die Zukunft – genauer gesagt, die automobile Zukunft. Denn es zeichnet sich deutlich ab, dass die 1913 von Henry Ford eingeführte Fließbandproduktion auch in den europäischen Autofabriken Einzug halten wird und die so deutlich günstiger produzierbaren Fahrzeuge für eine neue, breitere Schicht der Gesellschaft erschwinglich werden. Um die steigende Zahl der Autofahrer gegen die Risiken des in den Großstädten immer dichteren Straßenverkehrs abzusichern, gründet der K.A.C. zusammen mit der Allianz die Versicherung „Kraft“ als erste Kfz-Versicherung Deutschlands.

Wenige Wochen später endet nicht nur der Krieg, sondern mit der Abdankung Wilhelms II. auch die Monarchie in Deutschland. Und wenngleich politisch stets neutral, wollen und können sich auch die Mitglieder des K.A.C. dem demokratischen Aufbruch, der Deutschland erfasst, nicht entgegenstellen; sie benennen ihre Vereinigung in Automobilclub von Deutschland um.

Die 1920er Jahre: Der AvD hebt den Großen Preis von Deutschland aus Taufe

Trotz einer oft instabilen politischen Situation sowie hoher Reparationszahlungen an die Siegermächte, ist die sogenannte „Weimarer Republik“ geprägt von Aufbruch-Stimmung und einer offenen Fortschrittlichkeit. Bereits 1921 wird am südwestlichen Rande Berlins die AVUS (Automobil- Versuchs- und Übungsstraße) eröffnet, deren Bau maßgeblich durch den AvD gefördert und unterstützt worden war. Die Rennen entwickeln sich rasch zu auch international viel beachteten Publikumsmagneten, was nicht zuletzt an der legendären Steilkurve liegt, durch die die Teilnehmer in ihren brachialen Boliden mit maximalem Tempo brausen. Die AVUS ist auch Austragungsort des ersten Großen Preis von Deutschland, den der AvD 1926 veranstaltet. Den Premierensieg erringt ein gewisser Rudolf Caracciola aus dem verwunschenen Remagen am Rhein, gemeinsam mit Beifahrer Wilhelm Sebastian auf Mercedes-Benz. Insgesamt wird Caracciola noch fünf weitere Siege bei diesen Rennen einfahren und damit bis heute die Liste der erfolgreichsten Teilnehmer anführen. Im darauf folgenden Jahr verlegt der AvD den Großen Preis von Deutschland auf den wenige Tage zuvor eingeweihten Nürburgring, wo das Rennen bis 1976 ausgetragen wird.

In den Großstädten herrschen währenddessen mitunter chaotische Verkehrsverhältnisse. Das liegt nicht allein an der steigenden Zahl der Autos, die sich mit Pferdefuhrwerken, Straßenbahnen, Bussen, Fußgängern und Lastwagen arrangieren müssen, sondern noch viel mehr an den einzelnen Verkehrsteilnehmern selbst, die sich durch eine weitgehende Unkenntnis der Verkehrsregeln auszeichnen. Damit zumindest die professionellen Kraftwagenfahrer einen Beleg für ihr Wissen und ihre Zuverlässigkeit vorweisen können, stellt der AvD ihnen eine sogenannte „Bestallungsurkunde“ aus und lanciert damit den Vorläufer des heutigen „Führerscheins“.

Um der Gleichschaltung zu entgehen, wird der AvD zum DAC

Als 1933 die NSDAP bei den Reichstagswahlen zur stärksten Kraft wird und mit Unterstützung einiger bürgerlicher Parteien bald darauf Adolf Hitler zum Reichskanzler gewählt wird, bricht eine dunkle Zeit über Deutschland herein. Um der Gleichschaltung in der Einheitsfront der deutschen Kraftfahrer und der Eingliederung in den Der Deutschen Automobil-Club (DDAC) zu entgehen, ändert der AvD im Jahr 1934 seine Satzung. Damit einher geht eine Namensänderung in Deutscher Ausland-Club e. V. (DAC) sowie die Aufgabe der automobilen Tradition. 15 Jahre später liegt Deutschland nach dem verlorenen II. Weltkrieg in Trümmern. Sämtliche staatlichen Strukturen sind vorerst zusammengebrochen. Die Siegermächte haben das Land in vier Besatzungszonen mit jeweils eigenen Militärverwaltungen aufgeteilt. Aus Sorge vor Racheakten und Partisanen, den sogenannten „Wehrwölfen“, ist die Reisefreiheit zunächst innerhalb und besonders zwischen den einzelnen Zonen erheblich eingeschränkt.

Neustart nach dem Zusammenbruch

Bereits im Winter 1947/48 verlauten aus der sowjetischen Zone die ersten Vorschläge zur Wiederbelebung des AvD. Zwar wird die Idee auch in den westlichen Zonen von einstigen AvD Mitgliedern gerne aufgegriffen, doch die Umsetzung beansprucht neben erheblichem Engagement auch viel Zeit. Hinzu kommt, dass die ehemaligen Mitglieder von AvD und DAC durch die Kriegswirren mehrheitlich in alle Winde verstreut sind und mangels zuverlässigem Meldewesen teils nicht auffindbar sind, teils in Internierung oder Gefangenschaft sitzen und teils im Exil leben. Dennoch findet sich eine Gruppe von Optimisten, die überzeugt sind, den Geist des ursprünglichen AvD wieder erwecken zu können. Mit viel persönlichem Einsatz, tatkräftiger Initiative und entschlossenem Zupacken gelingt es ihnen, die Grundlage für den Wiederaufbau zu schaffen.

Allen Widerständen zum Trotz

Mitte Mai 1948 kommt es zu einem Treffen von Verleger August Christ, Georg Zettritz und Ministerialrat Dr. Eras, bei dem die Grundlagen und die Zielsetzung einer Wiederbegründung besprochen werden. Für den 5. Juni 1948 wird das erste informelle Treffen im Wiesbadener Hansa-Hotel einberufen – einschließlich der Bitte an die Teilnehmer, Getränke und Verpflegung selbst mitzubringen. Doch obgleich die Idee der Wiedererweckung unter den Teilnehmern sofort begeisterte Zustimmung erfährt, hängt der Erfolg kurz vor der bereits absehbaren Währungsreform am sprichwörtlich seidenen Faden. Der Erfolg der Bemühungen stellt sich dennoch ein: Binnen weniger Wochen schreiben sich Hunderte ehemaliger AvD-Mitglieder in die Listen für die Neugründung ein und der Gründungsfonds sammelt 40.000 Deutsche Mark (DM).

Erstes AvD Präsidium vereint zahlreiche große Namen

Am 6. November 1948 kommt es im Saal des Kurhauses von Königstein im Taunus zur Wiederbegründungsversammlung des Automobilclubs von Deutschland e. V.: Es wird eine neue AvD Satzung verabschiedet und ein Präsidium sowie ein Repräsentanten-Ausschuss als Vertretung der angeschlossenen Ortsvereine gewählt. Der ehemalige hessische Ministerpräsident und Rektor der Universität Heidelberg, Professor Dr. Karl Geiler, wird der vierte Präsident in der AvD Geschichte. Als Vizepräsidenten fungieren Carl Max Graf von und zu Sandizell sowie Georg Zettritz, als Sportpräsident der Rennfahrer Manfred von Brauchitsch. Zu den weiteren Funktionsträgern zählen unter anderem Dr. Heinrich von Brentano, Bundesaußenminister im ersten Kabinett Adenauer, sowie Dr. Harald Koch, Hessischer Minister für Verkehr und Wirtschaft.

Neue Heimat in Frankfurt am Main

Da das ehemalige AvD Haus in Berlin dem Krieg zum Opfer gefallen war, die Hauptstadt durch die Blockade der Sowjets nicht zu erreichen ist und über die Luftbrücke versorgt werden muss, sucht der wiederbegründete AvD eine neue Heimat in Frankfurt am Main. Als Übergangsquartier nutzt der Club zunächst zwei Räume, die ihm die Deutsche Turnerschaft in der Arndtstraße 9 zur Verfügung stellt. Aufgrund der allgemein schlechten Versorgungslage müssen anfänglich Holz und Kohlen zum Heizen in den Aktentaschen mitgebracht werden. Dennoch ist man so erfolgreich, dass bald auch in München, Baden-Baden, Frankfurt, Düsseldorf, Köln, Krefeld, Hagen, Dortmund, Essen, Aachen, Wiesbaden, Braunschweig, Bremen, und Hamburg Orts- bzw. Korporativclubs wieder ins Leben gerufen werden. Bis Ende 1949 steigt die Mitgliederzahl von 483 auf 1.541 Personen und überspringt im Verlauf des Jahres 1952 dann die 4.000er-Marke. In diesem Jahr bezieht der AvD zudem sein erstes eigenes Clubhaus der Nachkriegszeit in der Fürstenberger Straße im Frankfurter-Westend. Doch schon bald wird das Gebäude zu klein. Bereits 1955 wechselt der AvD seinen Sitz in eine mondäne Stadtvilla am Mainufer. Ende der 1960er Jahre manifestiert sich die positive Einstellung des AvD in dem Beschluss ein eigenes Bürogebäude als neue Clubzentrale in Frankfurt Niederrad (Lyoner Straße) zu bauen, dessen moderner Entwurf sich deutlich an der richtungsweisenden US-amerikanischen Architektur jener Zeit orientiert. Bis heute ist der Automobilclub von Deutschland in Frankfurt am Main beheimatet. Im Jahr 2017 wird die neue Hauptverwaltung in der Goldsteinstraße 237 im Frankfurter-Quartier Goldstein fertigstellt, die den Club heute beheimatet.

AvD – Die Mobilitätsexperten seit 120 Jahren

Als traditionsreichste automobile Vereinigung in Deutschland bündelt und vertritt der AvD seit 1899 die Interessen der Autofahrer. Mit seiner breiten Palette an Services wie der weltweiten Pannenhilfe, einschließlich einer eigenen Notrufzentrale im Haus, weltweitem Auto- und Reiseschutz, Fahrertrainings und attraktiven Events unterstützt der AvD die Mobilität seiner Mitglieder und fördert die allgemeine Verkehrssicherheit. Das Gründungsmitglied des Automobilweltverbandes FIA betreut seine rund 1,4 Millionen Mitglieder und Kunden ebenso persönlich wie individuell in allen Bereichen der Mobilität und steht für Leidenschaft rund ums Auto.

Sportfahrt zur Rapsblüte

Sportfahrt zur Rapsblüte Bild W.-R. Knoop

In der geschützten Bildergalerie finden Sie Bilder von Herrn Wolf-Rüdiger Knoop. Das PW sollten Sie kennen, wenn nicht, rufen Sie bitte in der Geschäftsstelle an.

PW: <Verein> (vier Buchstaben in Versalien) und die aktuelle <Jahreszahl> (vierstellig) ohne Leerzeichen.

Liberalisierung des § 21 STVZO

Vollgutachten und Einzelabnahme – Liberalisierung des § 21 STVZO

Der Bundesrat hat mit seinem Beschluss am 15. Februar 2019 die Liberalisierung des §21 Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (STVZO) beschlossen. Damit ist der Weg frei, dass zukünftig alle in Deutschland zugelassenen Prüforganisationen ein Vollgutachten und Einzelabnahmen vornehmen können.

Bis jetzt war das Begutachtungen nach §21 in den westlichen Bundesländern ausschließlich dem TÜV vorbehalten. In den neuen Bundesländern, was für ein antiquierter Begriff nach fast 30 Jahren, war nur die DEKRA für diese Arten von Prüfungen zugelassen. Das Monopol dieser beiden Prüforganisationen ist damit beendet.

Gültig wird die liberalisierte Regelung erst mit der Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt.

Was beinhaltet der §21 STVZO

Im § 21 der StVZO ist die Betriebserlaubnis für Einzelfahrzeuge geregelt. Dieses sogenannte Vollgutachten kommt zur Anwendung, wenn es für ein Fahrzeug keine Papiere mehr gibt, so etwa beim Neuaufbau. Ein weiterer Fall ist die Begutachtung von Importfahrzeugen für die keine EG-Übereinstimmungsbescheinigung vorliegt, zum Beispiel von Importfahrzeugen aus den USA. Grund ist, dass es nicht nach den in Europa einheitlich geltenden Voraussetzungen genehmigt und geprüft ist. Beispiels die Beleuchtungs- und Signalanlage, Nebelschlußleuchte, Warnblinkanlage, die in den USA anderen Gesetzen unterliegen.

Relevant auch für An- oder Umbauten

Ein großer Anteil der Gutachten betrifft Teile, die für den vorgesehenen Anbau an ein bestimmtes Fahrzeug nicht genehmigt sind wie Zubehör zum Tuning. Diese Teile müssen vom Begutachter der Prüforganisation auf die Eignung geprüft werden. Dazu gehören Berichte über die Festigkeit des Materials und/oder Berichte über die Materialeigenschaften. Wenn etwa aus einer Limousine durch einen Umbau ein Cabrio wird, so entsteht rein technisch für die Zulassung ein neues Kraftfahrzeug. Ein anderes Beispiel ist der Umbau eines Volkswagen T3 mit einem Audi V8-Motor, Automatikgetriebe, Fahrwerksumrüstung und geeigneten Bremsen.

Das Gutachten muss die Verkehrstüchtigkeit und den Ausschluss von Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer bestätigen.

WHO: 40µg-Wert für NO2 als Grenzwert ungeeignet!

AvD kritisiert EU-Kommissar Vella

  • Keine Verkürzungen der Wahrheit
  • Politik muss Rückgrat haben erkannte Fehler zu korrigieren
  • WHO: 40µg-Wert für NO2 als Grenzwert ungeeignet

24.01.19. Der Automobilclub von Deutschland (AvD) zeigt sich durch die heute veröffentlichten Äußerungen von EU-Umweltkommissar Karmenu Vella irritiert und weist diese als unzulässig verkürzt sowie vorsätzlich verfälscht zurück. Vella hatte die in Deutschland aufkommende Diskussion um die von der EU vorgegebenen Grenzwerte für Stickstoffwerte in der Luft mit dem Hinweis kommentiert, dass der Grenzwert schon allein deshalb korrekt sein, weil dieser von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ermittelt worden sei.

Der AvD weist diese Darstellung als falsch, weil unzulässig verkürzt zurück. Richtig ist vielmehr, dass die EU im Jahr 1993 die WHO dazu gedrängt hat, einen neuen, schärferen Grenzwert für den Anteil von Stickstoffen an der Luft zu ermitteln. Dabei wurden auch Einwände der WHO-Experten ignoriert, dass dieses Ansinnen aufgrund der widersprüchlichen Datenlage nahezu unmöglich sei. Da die aber auf ihrem Auftrag insistierte, griff die Expertengruppe der WHO auf neun ältere Studien zurück, die den Zusammenhang von Atemwegserkrankungen bei Kindern und dem Vorhandensein eines Gasherds in der Wohnung untersuchte, und werteten deren Daten im Rahmen einer Metaanalyse aus. Der sich daraus ergebende Bericht der WHO-Gutachter ist im Wortlaut nahezu identisch mit einem fünf Jahre älteren Bericht der US-Umweltbehörde, die keine Dosis-Wirkungs-Beziehung für NOx feststellen konnte. Um der EU dennoch einen Wert übermitteln zu können, hat die WHO einen Grenzwert geschätzt und dafür mangels brauchbarer Daten zugrunde gelegt, dass sich die NO2-Konzentration in der Luft von Haushalten mit Gasherd im jährlichen Mittel um 40 µg pro Kubikmeter erhöht. Diesen Wert übermittelte die WHO als Vorschlag für einen Richtwert an die EU.

WHO: Richtwert als Grenzwert ungeeignet

Als die WHO im Jahr 2000 den NO2-Richtwert von 40 µg pro Kubikmeter Luft in ihren Leitlinien zur Luftqualität in Europa veröffentlichte, hat sie ausdrücklich vor der Gleichsetzung von Richtwert und Grenzwert gewarnt. Als Richtwert definiert die WHO eine mittlere persönliche Belastung unterhalb der keine gesundheitlichen Auswirkungen zu erwarten sind.

Politik muss der Aufrichtigkeit verpflichtet sein

Der AvD fordert daher EU-Kommissar Vella auf, die Bürgerinnen und Bürger nicht weiter mit verfälschten Darstellungen vorsätzlich unwahr zu informieren und darüber hinaus zur Kenntnis zu nehmen, dass auch Experten in anderen Ländern den NO2-Grenzwert der EU in Zweifel ziehen. So hat die US-Umweltbehörde erst im April 2018 nochmals bekräftigt, dass unterhalb eines Jahresmittelwerts von 100 µg NO2 keine Hinweise auf gesundheitliche Schäden existieren. Und eine Expertengruppe des britischen Gesundheitsministeriums war sich ihrem im August 2018 veröffentlichten Bericht noch nicht einmal sicher, ob NO2 überhaupt Auswirkungen auf die Sterblichkeit hat. Die Politik in Berlin wie auch in Brüssel ist gut beraten, die Bedenken der internationalen Fachleute sowie die jetzt veröffentlichte Erklärung von mehr als 100 Lungen- und Atemwegsmedizinern nicht länger zu ignorieren und den einst festgelegten Grenzwert eingehend auf seine wissenschaftliche Fundiertheit zu prüfen. Wer nicht den Populisten und Extremisten das Feld bereiten will, der muss den Mut aufbringen, Fehler aufrichtig einzugestehen und gegebenenfalls zu korrigieren.

AvD: Generelles Tempolimit ist pure Ideologie

Der S.H.A.C. schließt sich dem Standpunkt des AvD an:

23.01.19. Der Automobilclub von Deutschland (AvD) wendet sich gegen Forderungen zur Einführung eines generellen Tempolimits auf Autobahnen. Um seine Haltung zu untermauern und die Diskussion zu versachlichen nennt der Interessenvertreter der Autofahrer eine Reihe von Argumenten:

  1. Aktuelle Situation
    Die Bundesrepublik Deutschland unterhält aktuell ein Straßennetz – Autobahn, Landstraßen, Stadt – dessen Länge sich auf rund 644.000 Kilometer summiert. Die Streckenlänge der Bundesautobahnen betrug zum Jahresende 2018 nach Angaben des Statistischen Bundesamts 13.009 Kilometer, was einem Anteil von zwei Prozent entspricht. In der Summe sind rund 3.900 Autobahnkilometer (30 Prozent) mit einer Tempobeschränkung belegt, auf den restlichen gut 9.100 Kilometern gibt es kein Tempolimit, es gilt aber eine Richtgeschwindigkeit von 130 km/h. Der Anteil der Straßen ohne gesetzliche Geschwindigkeitsbegrenzung am deutschen Straßennetz beträgt mithin 1,4 Prozent.
  2. Verkehrssicherheit
    Schon seit Jahren weisen die Statistiken mehrspurige Fernstraßen (Autobahnen) als die sichersten Straßen aus. So kam es 2014 pro 1 Milliarde Kilometer kumulierter Fahrleistung lediglich zu 1,6 unfallbedingten Sterbefällen. Das entspricht einem Anteil von 11,1 Prozent an der Gesamtzahl der im Straßenverkehr zu Tode gekommenen Personen. Mit lediglich 6,2 Prozent fällt der Anteil der Unfälle mit Personenschäden auf Bundesautobahnen gegenüber vergleichbaren Unfällen innerorts (69,3 Prozent) und auf Landstraßen (24,4 Prozent) noch deutlicher aus. Auch im internationalen Vergleich weisen die Bundesautobahnen beim Verhältnis der kumulierten Fahrleistungen zu Unfallereignissen mit Personenschäden und Sterbefällen regelmäßig Bestwerte auf. Und das trotz des in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsenen Anteils an ausländischen Verkehrsteilnehmern, insbesondere aus Ost- und Südosteuropa. Hätte ein generelles Tempolimit also den apostrophierten Sicherheitseffekt, müssten Länder mit Tempolimit bei den Unfallstatistiken mehrheitlich besser abschneiden, was aber nicht generell der Fall ist.
    Nach Einschätzung der Unfallforschung der Versicherer (UDV) ist zudem eine Unterforderung des Autofahrers als ebenso kritisch zu bewerten, wie eine Überforderung. Die Autofahrer würden unkonzentriert, nachlässig, lenkten sich mitunter gar mit andern Tätigkeiten ab und würden schläfrig. Diese Erfahrung teilt auch AvD Präsident Ludwig Fürst zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg: „Wenn ich mit Tempomat gleichmäßig auf einer wenig befahrenen Autobahn rolle, wirkt das auf mich wie eine Schlaftablette.“
  3. Umweltschutz
    Es erscheint wenig plausibel, dass die Einführung einer generellen Tempobeschränkung auf weiteren 1,4 Prozent des deutschen Straßennetzes einen relevanten Effekt auf die CO2-Emissionen und damit auf den Klimaschutz haben soll. Zumal bei der Angabe des Einsparungspotenzials offensichtlich von der falschen Annahme ausgegangen wurde, dass auf Autobahnabschnitten ohne Tempolimit alle Autofahrer permanent mit Höchstgeschwindigkeit unterwegs sind. Die Realität zeigt ein anderes Bild: Nicht selten ist die Verkehrsdichte auf den fraglichen Strecken so hoch, dass ohnehin kaum mehr als Richtgeschwindigkeit gefahren werden kann. Lässt es die Verkehrslage dann doch einmal auch höhere Geschwindigkeiten zu fahren, wird dies nur von einem Teil der Autofahrer genutzt. Augenscheinlich ist eine deutliche Mehrheit der Autofahrer auch dann in einem Geschwindigkeitsbereich zwischen 120 und 140 km/h unterwegs, wenn höhere Geschwindigkeiten erlaubt und möglich wären.
  4. Antriebswahl
    Von den Befürwortern eines Tempolimits wird angeführt, dass sich umweltschonende Effekte durch ein generelles Tempolimit auch einstellen, weil durch dessen Einführung Autokäufer verstärkt dazu übergehen würden, kleinere und schwächer motorisierte Fahrzeuge zu kaufen. Ein Blick auf die Autokäufe in Ländern wie Österreich oder der Schweiz widerlegt diese Annahme deutlich. In beiden Ländern existieren seit Jahrzehnten streng überwachte, generelle Tempolimits, die drakonische Strafen für Temposünder vorsehen. Trotzdem erfreuen sich leistungsstarke Modelle auf diesen Märkten einer großen Beliebtheit. In einer Reihe von Fällen liegen die absoluten Verkaufszahlen von Sportmodellen (wie z. B. Audi RS, VW Golf R oder Renault Clio Sport) über denen auf dem deutschen Markt.
  5. Verkehrsfluss
    Bereits heute sind rund ein Drittel der limitierten Autobahnabschnitte mit einem variablen Tempolimit belegt, das über Verkehrsbeeinflussungsanlagen die zulässige Höchstgeschwindigkeit den jeweiligen Witterungs- und Verkehrsverhältnissen angepasst wird und den Verkehrsfluss beeinflusst. Ein starres generelles Tempolimit kann das hingegen nicht leisten. Der AvD befürwortet grundsätzlich eine der Verkehrslage angepasste Geschwindigkeit. Dazu muss auch in Zukunft gehören, dass der mündige Bürger die Möglichkeit hat, strafffrei mit höherer Geschwindigkeit unterwegs zu sein – zum Beispiel bei guten Wetterbedingungen auf einer freien Autobahnen.
  6. Schallschutz
    Der mögliche Nutzen eines generellen Tempolimits für den Lärmschutz erscheint fraglich, da bereits bei Landstraßentempo das Abrollgeräusch der Reifen erheblich ist. Da nach aktuellem Stand der Technik bauliche Maßnahmen, wie die Verwendung spezieller Asphaltsorten („Flüsterasphalt“) und die Errichtung von Lärmschutzwänden die Geräuschbelastung für Anwohner erheblich effektiver senken, bevorzugt die überwiegende Zahl der Kommunen, Städte und Kreise diese Maßnahmen gegenüber einem Tempolimit.

Quelle AvD: https://www.avd.de/mein-club/avd-der-club/presse/standpunkte-des-avd/tempolimit/